PostNLs Umstieg auf Serverless-Technologien: Ein Schritt in die Zukunft der Logistik
Einführung: Die umfassende Transformation von PostNL
PostNL, das größte Logistikunternehmen in den Benelux-Ländern und seit 1799 tätig, modernisiert seine IT-Strategie. 2012 entschloss sich das Unternehmen, eine vollständige Cloud-Strategie einzuführen und alle IT-Projektlieferungen intern zu gestalten. Der Übergang von traditionellen IT-Systemen hin zu cloud-nativen und serverlosen Technologien führte zu mehr Produktivität und schnellerer Marktreaktion. Gleichzeitig wurden erhebliche Kosteneinsparungen erzielt.
Die Entwicklung der internen Produktlieferfähigkeit
Ein entscheidender Bestandteil von PostNLs Strategie war die Stärkung der internen Produktentwicklung. Die Geschäftsführung setzte klare Richtlinien und Rahmenbedingungen auf, die sowohl Standardisierung als auch die Einführung von Best Practices förderten. Die Engineering-Teams konnten dennoch bei der Entwicklung der Standards mitwirken und innerhalb bestimmter Vorgaben ihre eigenen Entscheidungen treffen. Diese Balance zwischen Standardisierung und Flexibilität ermöglichte eine effiziente und gleichzeitig innovative IT-Strategie.
Das „Fest, Flexibel, Frei“-Modell: Ein Framework für Technologieauswahl
PostNL entwickelte das sogenannte „fest, flexibel, frei“-Modell, um die Auswahl von Technologien und Werkzeugen zu strukturieren. Es hilft Teams, die optimalen Technologien für ihre Projekte zu nutzen. In der Kategorie „fest“ sind standardisierte Technologien und Werkzeuge, die in der gesamten Organisation verwendet werden müssen, um Konsistenz sicherzustellen. Die Kategorie „flexibel“ bietet eine Auswahl an Produkten und Standards, die Teams je nach Bedarf einsetzen können. In der Kategorie „frei“ haben die Teams die größte Entscheidungsfreiheit, solange die allgemeine Strategie des Unternehmens nicht beeinträchtigt wird.
PostNLs Entscheidung für AWS und den serverlosen Ansatz
PostNL entschied sich strategisch für AWS als Cloud-Plattform mit einem Fokus auf cloud-native und insbesondere serverlose Technologien. Das sogenannte Cloud Center of Excellence (CCoE), als AWS-Plattformteam etabliert, unterstützt die Engineering-Teams bei der Nutzung von AWS und kontrolliert die Nutzung von Diensten wie EC2. Durch AWS und serverlose Architektur kann PostNL flexibel skalieren, was besonders bei saisonalen Schwankungen im Logistikbereich vorteilhaft ist. Auch Services wie AWS CodeBuild für verbesserte CI/CD-Pipelines bieten zusätzliche Flexibilität.
Die Vorteile einer serverlosen Architektur für PostNL
Die serverlose Architektur ermöglichte es PostNL, die Vorteile einer elastischen und skalierbaren Infrastruktur zu nutzen. Arbeitslasten in der Logistik unterliegen oft starken Schwankungen, etwa durch tägliche und saisonale Spitzen. Während der Feiertage, von Black Friday bis Valentinstag, steigen die Anforderungen erheblich. Serverlose Technologien bieten durch elastische Preisgestaltung und Skalierbarkeit eine flexible Lösung. Dies ermöglicht es PostNL, auch bei hoher Nachfrage schnell zu reagieren.
DynamoDB und AWS Lambda als zentrale Komponenten der Infrastruktur
Als primäre Datenbanklösung verwendet PostNL DynamoDB, eine serverlose NoSQL-Datenbank von AWS für Hochlastumgebungen. Dank Autoscaling kann die Datenbank dynamisch an den Bedarf angepasst werden, was bei schwankendem Datenverkehr vorteilhaft ist. Zusätzlich nutzt PostNL AWS Lambda, einen serverlosen Compute-Dienst, der automatisch auf Änderungen in der Anzahl der Funktionsaufrufe reagiert. Die Architektur erlaubt Teams, eine Vielzahl von Programmiersprachen zu verwenden, darunter TypeScript, C#, Rust und Python. Lambda bietet Flexibilität, aber das Unternehmen hält sich an eine festgelegte Architektur, die Stabilität und Leistung gewährleistet.
Integration weiterer AWS-Dienste in die serverlose Infrastruktur
Zusätzlich zu DynamoDB und Lambda nutzt PostNL weitere serverlose Dienste von AWS, wie Step Functions, API Gateway und SQS. Diese Dienste ermöglichen es den Teams, skalierbare und robuste Anwendungen zu entwickeln, die den dynamischen Anforderungen des Unternehmens gerecht werden. Wenn serverlose Optionen die Anforderungen nicht erfüllen konnten, durften die Teams auf alternative Dienste wie RDS, Neptune, Timestream und Fargate zurückgreifen. Diese Flexibilität half PostNL, die beste Lösung für verschiedene Anwendungsfälle zu finden, ohne die serverlose Gesamtstrategie zu beeinträchtigen.
Herausforderungen und Lernkurven beim Übergang zur Serverless-Architektur
Der Wechsel zur serverlosen Architektur brachte für PostNL auch Herausforderungen mit sich. Eine der größten Hürden war die Notwendigkeit, das Engineering-Team weiterzubilden und besonders Junior-Entwicklern Unterstützung zu bieten. Die Einführung neuer Technologien erfordert immer auch eine Investition in Schulungen und den Aufbau von Kompetenzen. Da die Entwicklung serverloser Lösungen eine Lernkurve aufweist, entschied sich PostNL für einen flexiblen Ansatz. Teams konnten bei Bedarf auf verwaltete Dienste wie RDS oder Fargate zurückgreifen. So konnten Projekte schneller umgesetzt werden, während die Vorteile der Cloud-Native-Strategie erhalten blieben.
Empfehlungen für Unternehmen beim Einsatz von Serverless-Technologien
Luc van Donkersgoed, Principal Engineer bei PostNL, empfiehlt anderen Unternehmen, serverlose Technologien zu erwägen, wenn diese den Geschäftszielen dienlich sind. Unternehmen sollten jedoch mit einer starken Automatisierung in den Bereichen Infrastruktur-Bereitstellung, CI/CD, Monitoring und Sicherheit beginnen. Eine sorgfältige Analyse der Gesamtkosten für serverlose Architekturen ist ebenfalls wichtig, da serverlose Dienste oft nutzungsbasiert abgerechnet werden. Van Donkersgoed hebt auch die Bedeutung von kontinuierlichem Lernen hervor, um mit der schnellen Innovationsrate der Cloud-Anbieter Schritt zu halten. Er rät Unternehmen, die Einführung von serverlosen Technologien strategisch zu planen und sich auf die Automatisierung wesentlicher Prozesse zu konzentrieren.
Zusammenfassung: PostNLs erfolgreiche Serverless-Transformation
PostNLs Übergang zu einer serverlosen Architektur und einer cloud-nativen IT-Strategie zeigt, wie Unternehmen durch den Einsatz moderner Technologien ihre Effizienz steigern und ihre Wettbewerbsfähigkeit verbessern können. Die Vorteile dieser Architektur – erhöhte Flexibilität, reduzierte Kosten und eine bessere Anpassung an Marktschwankungen – machen den Ansatz auch für andere Unternehmen attraktiv. Der Erfolg von PostNL bei der Einführung von serverlosen Technologien kann anderen Unternehmen als Vorbild dienen, die ähnliche Schritte in Richtung einer modernen IT-Infrastruktur unternehmen möchten. Die Erfahrungen von PostNL verdeutlichen, dass eine gut durchdachte und strategisch umgesetzte Cloud-Strategie das Potenzial hat, die Produktivität erheblich zu steigern und Betriebskosten nachhaltig zu senken.